Ergebnisorientierung: Wetten, sie gewinnt?

Viele sagen im Zuge der New Work Überlegungen, sie wollen ‚ergebnisorientierter‘ arbeiten. Ich mache jetzt mal eine Wette:

7 von 10 von Euch wollen das nicht.

Auf gar keinen Fall.

Dann wäre nämlich allerspätestens aus die Maus mit einem Punkt 5 ist Schluss. Es würde stressiger werden als Ihr Euch je vorstellen könnt, denn:

Was, wenn schon 19:00h ist – und das Ergebnis nach wie vor nicht erreicht?

Eben.

Meine Arbeitsgeschichte ist von genau dieser Ergebnisorientierung geprägt.

Uni lief damals noch so, dass Du notfalls auch ein ganzes Semester – da reden wir von 6 Monaten! – kein einziges Mal in der Vorlesung gewesen sein konntest. Am Ende der 6 Monate gab es exakt 2 Stunden, in denen in einer Prüfung geschaut wurde, wo Du stehst.

Wo und wie Du zu gescheiten Unterlagen kamst… allen außer Dir egal.

Ob Du ausgerechnet an dem Tag krank oder nicht fit bist oder vielleicht doch noch feiern warst… ganz allein Ding.

Dieser eine Termin und diese eine Ergebnis zählte.


Nächste Klappe – als Frischling in der Unternehmensberatung.

Ultra-blauäugig frage ich meinen Chef, wie sie es denn mit den Arbeitszeiten so halten… sein schräg gekippter Kopf hätte mir schon Antwort genug sein können. „Naja“ sagte er,

„letztlich ist nur wichtig, ob das, was ansteht, fertig ist. Wenn das um 15:00 ist, dann kann man eben auch gehen. Oder auch nicht.“

Jetzt ratet mal alle, wie oft ich um 15:00 da raus bin?

Nein, eher war es so, dass ich ein arbeitsverweigerndes Schwein war, wenn ich 18:00 am Freitag als Außenkante nach einer Woche extrem langer Tage das Büro verließ.

Die Ergebnisorientierung hatte mich also wieder.

Nächstes Level.

Dann habe ich sie mit ein wenig Perversion erlebt… da hatte ich nämlich Umsatzverantwortung.

Genau genommen Deckungsbeitragsverantwortung. Und ich war gut darin. Nur, dass das keiner wirklich gewollt hatte. Tja. Da hatte ich dann das Ergebnis brav angeschleift und wieder war es nüscht.

Jetzt könnte man ja meinen, ich hätte genug…. aber nein, ich mache mich selbständig. Gründe eine Unternehmensberatung.

Und ja… da ist sie wieder… die gute alte Ergebnisorientierung.

Der Kunde ist wirklich König und was fertig werden muss, muss fertig werden.

Beim Kunden direkt zu arbeiten ist da fast erholsam, weil die meisten Bereiche doch um 19:30 spätestens einen Cut machen.

Ergebnisorientierung ist wunderbar und angenehm solange…

es darum geht, einen Arbeitsprozess anzugehen, der tatsächlich an einem halben oder ganzen Tag abschließbar ist… Dass Kochen wieder so beliebt ist…. ja, das hat doch bestimmt auch hierin seinen Grund. Ich beschliesse, etwas zu kochen. Ich koche es, es existiert. Selbst wenn es ein aufwändiges Gericht ist… ein paar Stunden später profitiere ich vom Ergebnis meiner Taten.

Voilà: Ergebnisorientierung, die glücklich macht.

Logischerweise sind viele lohnende Dinge wie ein Buch zu schreiben oder ein Unternehmen aufzubauen von deutlich langfristigerer und auch langatmigerer Natur. Das sollte uns nicht davon abhalten, natürlich.

Jedenfalls… ist der Punkt angekommen?

Ergebnisorientierung ist großartig, aber zwischendurch kein Spaß.

Wenn Ihr danach schreit, überlegt Euch genau, was Ihr Euch antut. Denn sie fordert einfach richtig viel von uns ab, legt sich häufig mit unseren anderen Prioriäten an – und ziemlich oft gewinnt

…das Ergebnis.

Kristin Reinbach:
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